Editorial zu Wind & Wetter

Die neue Aus­ga­be erscheint im Dezem­ber 2025!

Liebe &Radieschen-Lesende,

wir leben in stür­mi­schen Zei­ten. Jeden Tag eska­liert ein Kon­flikt, der Auto­ri­ta­ris­mus lässt sich die Son­ne auf den Bauch schei­nen und auch auf der ver­meint­lich »klei­nen« Ebe­ne reißt eine Böe nach der ande­ren in Form von gekürz­ten oder gleich ganz gestri­che­nen För­de­run­gen wich­ti­gen Insti­tu­tio­nen und der Kul­tur die Füße weg. Stür­misch ist also ein dum­mer Euphe­mis­mus, stür­misch war ges­tern, Kli­ma­kri­se ist heu­te. Denn die kommt nicht, die ist da, und zwar auf allen Ebe­nen.
Wie schön aber, dass ihr euch für ein Unter­stel­len bei der Lite­ra­tur ent­schie­den habt!

Kommt her­ein in unse­re 76. Aus­ga­be, wärmt euch auf bei uns, kühlt euch ab, trock­net die nas­sen Füße und über­lasst das Wet­ter und den Wind unse­ren Autorinnen. 214 Tex­te hat es uns für die­se Aus­ga­be in unser Post­fach geweht und nun dürft ihr euch auf die 20 freu­en, die von der Jury (wie immer anony­mi­siert) aus­ge­wählt wur­den. Es erwar­tet euch Lyrik, die auf­rich­tet, was der Wind umstür­zen hat las­sen, und Lyrik über vom Him­mel fal­len­de Schwal­ben. Auch die kon­kre­te Poe­sie bekommt bei uns wie­der ein­mal einen Platz an der Son­ne unse­rer Heft­sei­ten. Zim­per­lich gehen die Autorin­nen die­ser Aus­ga­be aller­dings nicht mit ihren Prot­ago­nis­tin­nen um, es wer­den Wahr­neh­mun­gen gleich mehr­fach in Fra­ge gestellt, Extrem­wet­ter­si­tua­tio­nen aus­pro­biert und in so man­cher Situa­ti­on ver­langt die Selbst­ver­tei­di­gung der Figu­ren nach dras­ti­schen Maß­nah­men, sei es mit Hil­fe des Win­des oder einer ande­ren Waf­fe. Dass erdach­te Figu­ren aber auch nicht alles über sich erge­hen las­sen, zeigt uns gleich der ers­te Text, der mit einem Augen­zwin­kern ein­mal kräf­tig in der Kli­schee­kis­te umrührt. In man­chen Tex­ten wird es HEISS, in man­chen auch schmel­zend, egal, wie sehr man sich etwas anders vor­ge­stellt hat, und in wie­der ande­ren still. Dann etwa, wenn sel­ten getra­ge­ne Schu­he aus dem Regal geholt wer­den, Insek­ten auf Fami­li­en­fes­ten dabei hel­fen, einen lyri­schen Umgang mit über­grif­fi­gen Fra­gen zu fin­den oder ein Stück Treib­holz ins Meer gestupst wird. An die­ser Stel­le möch­ten wir uns bei den Autorin­nen die­ser Aus­ga­be, euch Lesen­den und allen Einsender*innen bedan­ken, ihr seid schließ­lich der Wind in unse­ren Segeln. In die­sem Sin­ne:
Viel Freu­de beim Lesen!

kabra


Kathe­ri­na Bra­schel ist seit 2015 bei &Radieschen. Sie ist für die Text­aus­wahl zustän­dig und organ­si­liert und mode­riert die Lesun­gen beim Anno Lite­ra­tur Sonn­tag. Auf­ge­wach­sen in Salz­burg, lebt und arbei­tet seit 2011 in Wien, wo sie Theater‑, Film- und Medi­en­wis­sen­schaft stu­dier­te. 2019 wur­de sie mit dem Rau­ri­ser För­de­rungs­preis, dem exil-lite­ra­tur­preis und dem Wort­mel­dun­gen För­der­preis aus­ge­zeich­net, 2024 war sie Wri­ter in Resi­dence der Max Kade Foun­da­ti­on an die Bow­ling Green Sta­te Uni­ver­si­ty Ohio. 2020 erschien ihr Buch­de­büt es fehlt viel in der edi­ti­on mosa­ik, im Früh­jahr 2026 ist ihr ers­ter Roman Heim holen im Resi­denz Ver­lag erschie­nen.

Foto: © Leon­hard Pill

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