Die neue Ausgabe erscheint im März 2026!
Liebe Leser:innen,
Vor kurzem hat Leykam – der älteste Verlag Österreichs – bekanntgegeben, »aus wirtschaftlichen Gründen« keine neuen Projekte im Bereich Literatur und Kinderbuch mehr realisieren zu wollen. Anderswo werden die Programme an »neue, plattformaffine Zielgruppen« angepasst, wie etwa der Ullstein Verlag verlautbart hat. Besucht man die große Morawa-Filiale in Graz, findet man die Zitronenseife schneller als die Empfehlungen aus dem Feuilleton, und was auf die Büchertische kommt, wird ohnehin längst auf TikTok entschieden.
Braucht es da überhaupt noch Verlage?
Seit einiger Zeit überschwemmen KI-generierte Kinderbücher den
Markt, auf Instagram geben immer mehr Autorinnen bekannt, auf die zermürbende Verlagssuche verzichten zu wollen. Story.One und BoD machen es möglich, schnell zum eigenen Buch zu kommen, selbst Übersetzungen sind dank DeepL per Mausklick machbar. Das dazugehörige Hörbuch wird dann einfach mit einem besseren Text-toSpeech-Programm erstellt, und Amazon-Zahlen ist ohnehin nicht zu trauen. Ob diese vielen Werke auch gelesen werden? – Wurscht. Heute wird nicht konsumiert, heute wird produziert! Das Karussell dreht sich, immer schneller, immer bunter. Der Literaturbetrieb ächzt, lockt mit rosa Mascherl, Farbschnitt und gratis Buchpaketen für Influencerinnen. Jane Austen wird eine der wenigen sein, die
auch diese Ära überleben wird, sie hat es im Vorjahr sogar in den New
Adult Bereich der Buch Wien geschafft.
Ob es 2036 noch Buchmessen geben wird? Vielleicht besuchen wir sie in virtuellen Räumen. Die Speicher unserer Handys und E‑Reader füllen sich, längst haben wir Panik, weil ein Leben allein nicht ausreicht, um alle downgeloadeten Bücher zu lesen, alle Hörbücher zu hören, alle Online-Lesungen nachzuschauen – ganz zu schweigen von den Buchprojekten, die wir uns vorgenommen haben, selbst zu realisieren.
Kein Wunder also, dass wir ADHS bei uns diagnostizieren und uns
von ChatGPT therapieren lassen, um nicht mehr doomscrollend zu
prokrastinieren.
Und sonst? Von hilfreichen Assistenzprogrammen in der Medizin
über Chatbots in der Kund:innenbetreuung bis hin zu Deep-Fake und Cyberkriminalität – KI hat unsere moderne Gesellschaft längst in ihrem Griff. Für die vorliegende Ausgabe haben sich Autorinnen mit den möglichen Einsatzmöglichkeiten von KI und den daraus resultierenden Veränderungen auseinandergesetzt. Herausgekommen sind dabei vorwiegend kritische Texte, die auch den einen oder anderen Blick in die nahe Zukunft wagen.
Können wir der KI noch etwas entgegensetzen? – Die Literatur in diesem Heft ist jedenfalls zu 100 % menschlich. (Zumindest glauben wir es. Oder schreibt auch hier ein Bot?)
mpk

Margarita ist seit 2009 bei &Radieschen. Sie ist für den Satz der Zeitschrift sowie den reibungslosen Ablauf von Einsendeschuss bis Druck verantwortlich. Wenn sie dazukommt, rezensiert sie für unserem Blog Neuerscheinungen aus Österreich – auch aus dem Bereich der Kinder- und Jugendliteratur. Mehr über ihr eigenes literarisches Schaffen erfährst du auf margarita-kinstner.com).
