
Barbara Deißenberger:
Eine Geschichte in Weiß
Bucher Verlag, 2022
ISBN: 978–3‑99018–625‑1
336 S. | € 29,95
Rezension: Katrin Oberhofer
Multiperspektivisch wird hier das Panorama einer Frauenfreundschaft zwischen zwei Generationen aufgefächert.
Minna und Valerie leben beiden am Stadtrand von Wien, nahe der Lobau, beide vereint die Liebe zur Natur. Während Minnas Tochter schon erwachsen ist, als sie sich kennen lernen, ist Valerie noch neu in ihrer Mutterrolle und am Rande der Erschöpfung. Doch beide finden eine neue Passion. Minna in der Pflanzenmalerei, Valerie in ihrem Aktivismus, um die Lobau vor dem Bau des Lobautunnels zu bewahren.
Hier wird mit Liebe zum Detail erzählt, ganz unterschiedliche Anekdoten und lebensgeschichtliche Besonderheiten machen die Verbindung zu unterschiedlichen Zeiten, Generationen fühlbar. Besonders faszinierend fand ich die Geschichten über den fliegenden Vater Minnas, weil ich auch mit einem fliegenden Vater aufgewachsen bin. Auch die Beschreibungen des Prozesses der Pflanzenmalerei haben mich sehr eingenommen. Zu einem besonderen Schmuckstück wird dieses Buch durch die Illustrationen von Mischa Skorecz.
Nicht zuletzt zeigt dieses Buch: Tief empfundene Verbindungen können auch sehr leise und zart daher kommen, und müssen sich nicht immer in eindeutig in Liebe, Familie oder Freundschaft einordnen lassen. Manchmal vermischen sich diese Dinge auch, wie die Pigmente auf der Palette der Malerin, und das ist gut so



Katrin Oberhofer
Aufgewachsen in Maria Saal, lebt mit ihren liebsten Menschen in Wien. Studium der Sozial- und Kulturanthropologie und Philosophie, Ausbildung zur Schreibtrainerin am writers’ studio.
Mehr Buchrezenzsionen (und Katzen) gibt es unter @writing_and_cats
