CELESTE ILKANAEV (cel)

& RADIES­CHEN-FRA­GE­BO­GEN INTER­VIEW
dies­mal mit & Radies­chen-Redak­ti­ons­mit­glied CELE­S­TE ILKA­NAEV


"Tatsächlich schreibe ich viel aus Wut; im Text verwandelt sich diese Wut dann in Ironie und Humor."

Cele­s­te Ilka­naev ist seit 2024 im Redak­ti­ons­team des & Radies­chen und betreut/ mode­riert auch die Sonn­tags-Lesun­gen im Café Anno. Außer­dem ist sie Autorin der Kolum­ne “all­tags­taug­lich”.

Wann hast du zu schrei­ben begon­nen – und war­um machst du es heu­te noch?
Ich habe mit acht Jah­ren mein ers­tes Tage­buch bekom­men und begon­nen, spo­ra­disch zu schrei­ben. Da mein Deutsch mit elf noch nicht so gut war, emp­fahl mir mei­ne Leh­re­rin, regel­mä­ßig Tage­buch zu füh­ren. Seit­dem schrei­be ich. Mit 14 folg­ten die ers­ten Kurz­ge­schich­ten, damals vor allem Lie­bes­ge­schich­ten. Heu­te schrei­be ich so ziem­lich alles, außer das.

Gibt es etwas, das dich beim Schrei­ben beson­ders inspi­riert? Woher kom­men dei­ne Ideen?
Mei­ne Ideen kom­men aus dem All­tag. Ich begeg­ne täg­lich inspi­rie­ren­den Men­schen und Sze­nen – man­che sind schön, man­che ärgern mich. Tat­säch­lich schrei­be ich viel aus Wut; im Text ver­wan­delt sich die­se Wut dann in Iro­nie und Humor.

Du bist Teil des &Radieschen-Redaktionsteams. Wann und wie bist du eigent­lich zu &Radieschen gekom­men – und wie­so bist du geblie­ben?
Ich bin im Jän­ner 2024 zum &Radieschen-Team gesto­ßen. Die Men­schen und die Kunst, die ich dadurch ken­nen­ge­lernt habe, berei­chern mich enorm. Mitt­ler­wei­le kann ich mir ein Leben ohne ALSO gar nicht mehr rich­tig vor­stel­len …

Du bewer­test bei &Radieschen die Text­ein­sen­dun­gen mit. Was muss ein Text für dich kön­nen, um dein Herz zu erobern?
Das Wich­tigs­te für mich ist, dass ein Text etwas in mir bewegt, ganz gleich, ob es Ekel, Freu­de oder Trau­er ist. Haupt­sa­che, er lang­weilt mich nicht.

Wo liest du die Ein­sen­dun­gen am liebs­ten?
Ich lese die Ein­sen­dun­gen am liebs­ten im Miles Smi­les, einem Jazz-Beisl, gemein­sam mit den Stamm­kun­den dort. Wir lesen uns die Tex­te abwech­selnd vor und dis­ku­tie­ren sie. Meis­tens sind wir uns einig, aber manch­mal wecken die Tex­te ganz unter­schied­li­che Gefüh­le in uns. Genau das macht es so span­nend.

Hast du Tipps für unse­re Autor*innen gegen die gefürch­te­te Schreib­blo­cka­de?
Aus­stel­lun­gen! Ich ste­he ger­ne vor Gemäl­den, Foto­gra­fien oder Skulp­tu­ren und beschrei­be ein­fach das, was ich in die­sem Moment sehe und füh­le.

Wel­ches Buch hat dich zuletzt beson­ders begeis­tert?
Als Jour­na­lis­tin: „Über das Meer” von Wolf­gang Bau­er. Als Autorin: „Mär­ty­rer!” von Kaveh Akbar.

Was liest du am liebs­ten, wenn du ein­fach mal nur ent­span­nen möch­test?
Am liebs­ten lese ich Bücher von Autor:innen mit Migra­ti­ons­ge­schich­te. Sie ent­span­nen mich, weil ich mich dar­in gese­hen und gehört füh­le. Oft sind sie sehr nah an den Erfah­run­gen geschrie­ben, die vie­le von uns im deutsch­spra­chi­gen Raum machen. Man erkennt sich in den Fami­li­en­struk­tu­ren wie­der, in deren spe­zi­fi­scher Wär­me und Här­te, im Iden­ti­täts­kon­flikt oder auch in der Suche nach sich selbst.

Cele­s­te Ilka­naev ist Jour­na­lis­tin, Mode­ra­to­rin und Autorin. Momen­tan ist sie Redak­teu­rin bei JETZT.at und recher­chiert gemein­sam mit dem “Insti­tut für Medi­en, Poli­tik und Thea­ter” zum Wie­ner Miet­markt. Grün­de­rin von der monat­li­chen Lese- und Musik­rei­he “Gesellschafts(un)tauglich” im Miles Smi­les, Mit­grün­de­rin von der Lese­rei­he “Wort­ge­met­zel” in der Sem­mel­weis­kli­nik. Sie schreibt gesell­schafts­kri­ti­sche Pro­sa.

Celeste Ilkanaev (cel) im &Radieschen

Die Kolum­ne “all­tags­taug­lich” ist die jüngs­te Kolum­ne unse­rer Zeit­schrift. Die zwei­te Fol­ge erscheint in unse­rer neu­en Num­mer mit dem Titel “Tür & Angel”.

aus der brand­neu­en Aus­ga­ben: Tür & Angel, Juni 2026

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