& RADIESCHEN-FRAGEBOGEN INTERVIEW
diesmal mit: HADYA NASSAN-AGHA-SCHROLL

“Für mich steht beim Schreiben der Mensch im Mittelpunkt – mit seinen Beziehungen, Gefühlen und menschlichen Eigenheiten.”
In der neuen Kurzgeschichte von Hadya Nassan-Agha-Schroll geht es um Hannah und die Farbe Sand. Eine Geschichte, die unsere Jury sehr berührt hat.
Im Interview verrät die Autorin, welche schönen Momente das Leben bereithält, was sie inspiriert und wie man mit Schreibblockaden gelassen umgeht.
Welche Textgattung bevorzugst du?
Bisher habe ich mich mehr an kleine Formen gehalten: Kurzgeschichten und Lyrik. Sehr fasziniert bin ich von Haikus. Manchmal habe ich ein schnelles Erfolgserlebnis, dann wieder brauchen drei Zeilen viel Zeit. Das ist eine gute Übung.
Was hat dich zum Schreiben bewegt?
Für etwas die richtigen Worte finden und diese niederzuschreiben, ist in meinem Leben immer wichtig und hilfreich gewesen. Außerdem beschert mir das Schreiben viele überraschende und schöne Momente, wenn sich zum Beispiel die Idee gut entwickelt und ich am Ende trotzdem genau dort lande, wo ich gar nicht hin wollte, ich aber zufrieden mit dem Ergebnis bin.
Gibt es Themen, die dich als Autorin besonders interessieren?
Für mich steht beim Schreiben der Mensch im Mittelpunkt – mit seinen Beziehungen, Gefühlen und menschlichen Eigenheiten. Auch wenn ich über etwas in der Natur schreibe, geht es letzten Endes um genau dieses urmenschliche Handeln, Denken und Fühlen.
Gibt es etwas, das dich beim Schreiben besonders inspiriert? Woher kommen deine Ideen?
Kleine Beobachtungen im Alltag sind oft Anlass für mich, etwas niederzuschreiben und eine Geschichte zu entwickeln. Auch Missstände können inspirieren und motivieren zu schreiben. Manchmal fotografiere ich etwas, was mir auffällt, lasse das Foto auf mich wirken und schreibe dann meine Gedanken oder eine Geschichte dazu nieder.
Wo schreibst du am liebsten?
Ich schreibe da und dort: Im Kaffeehaus, allein zu Hause oder bei einer Zugfahrt. Manchmal möchte ich nicht allein schreiben und treffe mich mit anderen und wir schreiben zusammen.
Zu welcher Tageszeit schreibst du am liebsten?
Da habe ich keine Präferenz.
Was tust du, um eine Schreibblockade zu lösen?
Ich versuche nicht, dagegen anzukämpfen, sondern locker zu bleiben und ganz bewusst Ablenkung zu suchen, um es zu einem späteren Zeitpunkt noch einmal mit dem Thema zu probieren. Manchmal musste ich aber auch akzeptieren, dass eine Geschichte nicht geschrieben werden wollte.
Was liest du gerade?
Ich lese die Kurzgeschichten aus „Der Hase im Mond“ von Milena Michiko Flašar. Außerdem habe ich mit dem aktuellen Buch von Luca Kieser „Simsalabim, Simon Brenner“ begonnen. Das Zauberwort im Titel hat mich zum Lesen angestiftet.
Welches Buch sollte deiner Meinung nach jede:r lesen?
Stefan Zweigs „Die Welt von Gestern“.
Was schätzt du besonders an &Radieschen?
Ich schätze an &Radieschen besonders, dass ich mitbekomme, welche Ideen andere Autor:innen haben und wie diese Ideen kreativ umgesetzt werden. Und: Die Lektüre von &Radieschen ist nicht aufwändig, sondern gelingt leicht und locker und bringt mehr Literatur in meinen Alltag.
~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~
mehr über Hadya Nassan-Agha-Schroll:
Ich bin 1974 in Hainburg an der Donau geboren und zweisprachig mit Deutsch und Arabisch in Niederösterreich und Wien aufgewachsen. Von Beruf bin ich Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapeutin in eigener Praxis. Ich lebe mit meiner Familie und unserem Hund in Wienerwald, wo ich mich auch in der Gemeinde engagiere.
Ich bin Mitorganisatorin der 1. Gablitz Schreibwerkstatt für Frauen. Kurze Texte, persönliche Gedanken zum Schreibprozess und Gedichte poste ich auf Instagram unter hadya_haiku.

Eine Kurzgeschichte von Hadya Nassan-Agha-Schroll findet man in unserer neuen Ausgabe mit dem Titel “zögern & zagen”.
Die Autorin liest bei der Präsentation der Ausgabe am Sonntag, 27.9. um 19h im Café Anno!
