Bist du schon Autor:in?

✒️ SCHREI­BEN ÜBERS SCHREI­BEN

Bist du schon Autor:in?

VON CLAU­DIA DABRIN­GER

Ab wel­chem Zeit­punkt man sich als Autor oder Autorin bezeich­net, hängt von ver­schie­de­nen Kri­te­ri­en ab. Meist ist es aber eine ganz per­sön­li­che Ent­schei­dung. Kei­ne leich­te – zuge­ge­ben.

“Gedich­te schrei­ben, Song­tex­te schrei­ben, für diver­se Maga­zi­ne schrei­ben – all das hat mein Selbst­ver­ständ­nis ‘Autorin zu sein’ noch nicht wirk­lich zemen­tiert. Die­ser unglaub­li­che Moment kam erst, als ich mei­ne ers­tes eige­nes Buch, noch druck­frisch, in den Hän­den hielt”, erzählt die Kin­der­buch­au­to­rin Susa Häm­mer­le in einem Inter­view auf dem BÖS-Blog. Und tra­di­tio­nell ist die­ser Gedan­ke noch in vie­len Schreiber:innen-Gehirnen ver­an­kert. Dabei beginnt die­ser Pro­zess viel frü­her.

Wer regel­mä­ßig schreibt – ob Gedicht, Erzäh­lun­gen oder Arti­kel –, ist im Grun­de bereits eine Autorin oder ein Autor. Dahin­ter steckt die Hal­tung, dass man für das, was der Kopf aus­ge­spuckt hat, Ver­ant­wor­tung über­nimmt. “Dazu ste­he ich”, könn­te eines der Man­tras sein, die das unter­stüt­zen. Eine wei­te­re Mög­lich­keit, für sich selbst einen Stand­punkt zu fin­den, ist eine Schreib­übung, die mit “Schrei­ben ist für mich…” oder “Mei­ne per­sön­li­chen Erwartungen/Hoffnungen/Sehnsüchte ans Schrei­ben sind…”. Und da spielt es anfangs kei­ne über­mä­ßi­ge Rol­le, ob man bereits in einem Maga­zin einen Arti­kel ver­öf­fent­licht, ein Gedicht auf eine Web­site gestellt oder einen Roman im Selbst­ver­lag her­aus­ge­ge­ben hat. Es ist stets eine krea­ti­ve Leis­tung, in die man Zeit und Arbeit inves­tiert hat. Schon allei­ne das ist wert­zu­schät­zen. 

Vie­le war­ten aller­dings immer noch auf den (exter­nen) Rit­ter­schlag von Lite­ra­tur­agen­tu­ren, Lek­to­ra­ten oder Ver­la­gen. Wer ihn erhält, bekommt das Gefühl, sich gegen den Mit­be­werb durch­ge­setzt zu haben. Was natür­lich stimmt, denn die Kon­kur­renz ist groß. Doch was bedeu­tet das Sich-durch­ge­setzt-Haben? Die Rit­ter­schlä­ger haben Manu­skript auf Markt­fä­hig­keit über­prüft, beson­ders ambi­tio­nier­te Ver­la­ge schau­en auch auf die lite­ra­ri­sche Qua­li­tät. Markt­fä­hig­keit zielt auf Gen­re-Genau­ig­keit, den Zeit­geist, Her­stel­lungs­kos­ten. Wer da nicht pass­ge­nau schreibt, schaut viel­fach durch die Fin­ger. Doch kei­ne Sor­ge, Autor:in bleibt man trotz­dem.

Frü­her gab es das Schreck­ge­spenst der so genann­ten Druck­kos­ten­zu­schuss-Ver­la­ge, wo man rich­tig Geld in die Hand neh­men muss­te, um sein eige­nes Buch in Hän­den hal­ten zu kön­nen. Und nicht zu Unrecht schim­mer­te in die­sen Fäl­len oft mehr oder weni­ger stark die Eitel­keit durch. Das aller­dings hat mit dem, was man heut­zu­ta­ge als Self­pu­bli­shing bezeich­net, kaum mehr etwas zu tun. Autor:in in die­sem Kon­text bedeu­tet, nicht nur für den Plot oder die Figu­ren ver­ant­wort­lich zu sein, son­dern auch für das Cover­de­sign oder die Ver­mark­tung. Inzwi­schen ste­hen vie­le erfolg­rei­che Self­pu­blisher Bestseller-Autor:innen im klas­si­schen Ver­lags­seg­ment um nichts mehr nach. Doch machen wir uns nichts vor: Auch Hob­by-Tex­te ohne Lek­to­rat und Anspruch fin­den sich unter den Selbst­ver­le­gern.

Was viel­fach unbe­kannt ist: Fried­rich Schil­ler war eben­so ein Self­pu­blisher sei­ner Zeit wie Charles Dickens oder auch Julia Came­ron. Ihr Stan­dard­werk “Der Weg des Künst­lers” wur­de von Lite­ra­tur­agen­tu­ren und Ver­la­gen abge­lehnt, weil man nicht an den Erfolg eines spi­ri­tu­el­len Schreib­leit­fa­dens glaub­te. Sie alle fühl­ten sich als Autor:innen, obwohl kei­ner an sie bezie­hungs­wei­se ihre Tex­te glaub­te. Und sie waren im Grun­de das, was heu­te eine moder­ne Autor:innen-Persönlichkeit aus­macht. Die­se tra­gen die Gesamt­ver­ant­wor­tung für ihr Buch-Pro­jekt, ent­schei­den alle über Inhalt, Ton und Form und leben damit die reins­te Form der künst­le­ri­schen Auto­no­mie.

Kürz­lich habe ich in einem Schreib­work­shop den Satz einer Frau gehört, die sich ganz bewusst für den Selbst­ver­lag ent­schei­den hat: “Ich woll­te mich nicht ver­bie­gen, und ich habe an mei­nen Text geglaubt.” Das ist Autor:in-Sein. 

Die Rei­he „Schrei­ben übers Schrei­ben“ wird vom
Berufs­ver­band Öster­rei­chi­scher Schreibpädagog:innen (BöS) gestal­tet. 

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